Auch wenn die derzeitige Diskussion um die Schuldenkrise noch immer von dem desolaten Bild der Politik auf beiden Seiten des Atlantik dominiert wird, haben die Notenbanken der G7 in den letzten Wochen Entscheidungen getroffen, die für die Finanzmärkte wichtige Rahmenbedingungen markant verändert haben. Wesentlich ist hier die Entscheidung der EZB zum Ankauf von spanischen und italienischen Staatsanleihen sowie die neuerliche Liquiditätszufuhr im Rahmen von 6-Monats-Tendern. Weitere wichtige Impulse gehen von der Festschreibung des Kurzfristzinses durch die Fed sowie durch die Liquiditätsinjektionen der SNB und der BoJ im Rahmen der angestrebten Schwächung ihrer Währungen aus. Die Implikationen sind die folgenden:

1) Die Entscheidung der EZB, nicht nur als ‚lender of last resort‘ sondern auch als  ‚buyer of last resort‘ zu fungieren, hat die Gefahr einer systemischen globalen Finanzkrise abgewendet. Neben dem Bankensektor gibt es nun auch für die €-Peripheriestaaten de facto eine Überlebensgarantie, da durch die Liquiditätszuführung durch den EFSF und/oder die Anleihenkäufe der EZB sowohl eine Zahlungsunfähigkeit als auch eine Refinanzierung zu prohibitiv hohen Zinsen von Problemländern vermieden werden kann. Die Kombination aus gesunkenen systemischen Risiken und die durch die Maßnahmen der Zentralbank ins System gelangte Liquidität entsteht ein Umfeld, welches für Spreadprodukte äußerst attraktiv ist. Ähnlich wie ab Frühjahr 2009 erwarten wir in den nächsten Wochen eine deutliche Einengung der Spreads von Unternehmensanleihen und Pfandbriefen ggü. Bunds. Besonders attraktiv sehen Senior Financials aus, deren Spreads sich in den letzten Wochen massiv ausgeweitet haben und nach unserem Research deutlich über ihrem fairen Niveau liegen.  

2) Mit der Entscheidung der US Notenbank Fed, durch eine faktische Festschreibung des Kurzfristzinses die Zinsstrukturkurve ‚flach zu rollen‘, scheint die Notenbank ihr Ziel von negativen Realzinsen zu erreichen. Negative Realzinsen bedeuten eine extrem expansive Geldpolitik, reduzieren das Deflationsrisiko und machen den Prozess des Deleveraging weniger schmerzhaft. Die Erzielung von negativen Realzinsen ist somit die zentrale Politikvariable der Fed. Dies ist am einfachsten über niedrige Nominalzinsen erreichbar, und die Fed wird alles dafür tun, dies sicher zu stellen. Derzeit sieht es aber nicht so aus, als seien dafür neue Anleihenkäufe notwendig. Die massive (und neue) Überschussliquidität sowie die globalen Überschussersparnisse werden unverändert ihren Weg in die liquiden Märkte US Treasuries und Bunds finden und somit die Nominalzinsen drücken. Kurzlaufende Bunds und Treasuries bleiben das Instrument, um Überschussliquidität  aufzunehmen. Für Bunds und Treasuries ist der ‚Bear Markt‘ erneut vertagt.

Dr. Eckhard Schulte, 15. August 2011

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